Thema: Stichtage
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25. January 2008, 04:45   #22
Jules
 
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22. Januar 1998: Der Katse-Staudamm in Lesotho wird eingeweiht

2.000 Meter über dem Meeresspiegel durchspannt Afrikas mächtigster Staudamm in einem eleganten Bogen die mattgrüne Berglandschaft Lesothos. Hinter der 180 Meter hohen und 700 Meter langen, hellgrauen Mauer erstreckt sich kilometerlang der regungslos blaue Katse-See. Seit zehn Jahren stillt der gigantische künstliche Wassertank den unerschöpflichen Durst der Industrie im Nachbarland Südafrika. Am 22. Januar 1998 haben Lesothos König Letsie III. und Südafrikas Präsident Nelson Mandela den Staudamm seiner Bestimmung übergeben. Damit geht die erste Stufe eines milliardenschweren Wasser-Projekts in Betrieb, das die lesothische Militärregierung Mitte der 80er Jahre mit dem weißen Apartheidregime am Kap ausgehandelt hat.

Die Menschen im bitterarmen Lesotho, das völlig umschlossen mitten im vergleichsweise reichen Südafrika liegt, sollten vom Dammbau und dem Verkauf ihrer Wasservorräte profitieren. Die Investoren, staatliche Entwicklungsbanken aus Europa und die Weltbank, hatten den Hochlandbewohnern einen gerechten Anteil an den jährlichen Einnahmen von 40 Millionen Dollar versprochen. Doch zunächst einmal werden die einheimischen Bauern von ihrem Grund und Boden vertrieben, ohne dafür die versprochene Entschädigung zu bekommen. Eine vertraglich zugesicherte Entwicklung der regionalen Infrastruktur während der Bauzeit findet nicht statt. Arbeitsplätze werden kaum geschaffen, da das gesamte Bau-Projekt inklusive der Staudammbehörde fest in südafrikanischer Hand ist. Die Umweltbedingungen in der See-Region allerdings verändern sich durch den Katse-Staudamm dramatisch.

Tier- und Pflanzenarten sterben aus, Überschwemmungen richten riesige Schäden an. Laut der US-Umweltorganisation "Environmental Defense Organisation" schleppen die südafrikanischen Bauarbeiter das HI-Virus ins zuvor Aids-freie Hochland ein; es breitet sich rasend schnell aus. Am Staudamm selbst werden schon bald Risse sichtbar. Als auch noch die Wasserversorgung für die einheimische Bevölkerung zusammenbricht, müssen die Vereinten Nationen nicht nur Ernährungshilfe leisten, sondern auch noch 400.000 Menschen, 20 Prozent der Bevölkerung, mit Wasser versorgen. Die Justiz des kleinen Landes Lesotho hat alle Hände voll zu tun, das ganze Ausmaß an Korruption rund um das Staudamm-Projekt aufzudecken. Der oberste Chef der federführenden Wasser-Behörde wird zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er allein ist mit 1,2 Millionen Euro bestochen worden. Zwölf internationalen Großfirmen, darunter auch deutschen, sind inzwischen Schmiergeldzahlungen konkret nachgewiesen worden. Unterdessen läuft im weiterhin armen Lesotho die Planung der zweiten Bauphase - mit gleich drei weiteren Staudämmen.

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