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9. August 2008, 21:16   #1
Ogino
 
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Trennungsschmerz

Ich habe keine Ahnung, wie man damit umgeht.

Mein Sohn, 16 Jahre alt, geht für 10 Monate ins Ausland, ein high-schol-year.
Letzten Mittwoch war der Abreisetag: England.

Bei der Verabschiedung auf dem Flughafen habe ich schon gemerkt, dass mir diese Trennung unheimlich an der Seele nagt. Aber mit jedem Tag wurde es schlimmer und momentan sitze ich hier völlig leer und voller Depressionen und bin unfähig, mich aufzuraffen.
Ich habe einfach Angst, dass ich das nicht auf die Reihe bekomme und immer tiefer in diese Leere reinrutsche.
Momentan bin ich einfach unfähig, mir Fotos von ihm anzuschauen, sein Zimmer zu betreten oder gar Gegenstände zu benutzen, die ihm am Herzen liegen. Ich esse kaum noch und Nachts finde ich kaum Schlaf.
Das ist umso verwunderlicher, als das ich mich eigentlich psychisch recht stabil einschätze. Wie zieht man sich aus diesem Sumpf von Gefühlen eigentlich wieder raus ?
Selbst mit meiner Frau kann ich darüber nur bedingt reden. Zum einen kennt sie mich als Partner, der eigentlich so ziemlich alles wegsteckt und zum anderen meint sie, dass ich nur übertreiben würde.
Mir geht es jedenfalls recht übel und ich würde gerne wissen, ob von Euch schon einer ähnliche Erfahrungen hatte und vielleicht darüber berichten kann.

Wenn das 10 Monate so weitergeht, lande ich irgendwann in der Klapse.
 
9. August 2008, 22:03   #2
sinadevil
 
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mein gott lass mal los, er kommt doch wieder. jedes kind muss lernen seinen weg zu gehen, ohne das mama oder papa den weg zeigt. trau dem kind was zu und vertraue und jammer nicht rum.
 
9. August 2008, 22:18   #3
Grahid
 
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Ich gehe davon aus, das du deinen Beitrag ernst meinst, Ogino!

Ich denke, jedes Elternteil mit positiven Gefühlen für den eigenen Nachwuchs kennt dieses Gefühl oder kann es nachvollziehen!
Loslassen ist verdammt schwer und kann weh tun. Aber letztlich geht es immer.

Ein abgelatschter und alter Satz, aber dennoch wahr: Die Zeit heilt alle Wunden!
 
9. August 2008, 22:31   #4
sinadevil
 
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Zitat:
Die Zeit heilt alle Wunden!
so ein schmarn
wo bitte hat dieses kind wunden?
 
9. August 2008, 22:36   #5
Grahid
 
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Dies alte Sprichwort bezieht sich, ist das wirklich nicht zu verstehen, auf die Wunden des Menschen!

In diesem Fall, so habe ich das verstanden, hat der Vater Schwierigkeiten mit der Trennung von seinem heranwachsenden Kind, das sich für längere Zeit in England aufhalten wird.
Dies verursacht ihm nach seinen Worten einen Schmerz (Leere, Depris, etc..) und diese Gefühle muss der Mensch ob er möchte oder nicht, eben leider aushalten!

Die Zeit allerdings, die hilft in den allermeisten Fällen!

Nebenbei bemerkt, ist das Ganze, groteskerweise sogar noch durch dein eigenes Nichtverstehen, absolut kein Grund unhöflich zu werden, auch und gerade bei Leuten, die man gar nicht kennt!
 
9. August 2008, 22:47   #6
sinadevil
 
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deshalb muss man doch nicht in Depressionen verfallen.
am ende war doch die familie einvetrstanden.
 
9. August 2008, 22:50   #7
Grahid
 
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Natürlich! So entnehme ich das jedenfalls den Worten von Ogino. Und höchstwahrscheinlich ist es für den Sohn auch das Beste so. Internationale Erfahrung ist ja ganz sicher kein Fehler.

Aber der Vater tut sich schwer mit der Trennung auf einer emotionalen Ebene. Und das hat mit Verstand nicht unbedingt zu tun!
Es ist auch etwas Neues, dass der Sohn, mit dem er sich wahrscheinlich auch recht gut versteht, nun eben nicht mehr da ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese neue Erfahrung weh tun kann!

Aber das wird verblassen mit der Zeit. Das meinte ich! Und das ich Ogino schon verstehen kann, auch wenn seine Worte ein klein wenig pathetisch klingen!
 
9. August 2008, 23:02   #8
sinadevil
 
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wenn ein sohn so








tut mir leid dass ein vater deswegen in Depressionen fällt, für mich unverständlich.
 
9. August 2008, 23:05   #9
Grahid
 
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Wirklich?




Es wird doch Menschen geben, deren "Weggehen" dir weh tun könnte, dich traurig machen würde oder etwas ähnliches dieser Art.
 
10. August 2008, 05:43   #10
Boomer
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Das Gefühl kenne ich, Ogino.

O.k., bei mir war es die Frau, die zur Kur fuhr und es waren auch nur ein paar Wochen, doch etwas fehlte. Als sie weg war, passten der Tag und ich nicht mehr recht zusammen.

In den ersten Tagen hing ich auch rum wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Aber dann merkte ich, daß es nicht nur die Frau war, die fehlte, sondern auch die Situation. Und da wurde mir klar, daß in meinem Kopfkino ein schlechter Film läuft, denn ich steigerte mich in den Gedanken rein, wie es wohl sein würde, wenn es immer so wäre wie gerade und was ich dann tun könnte. Dazu fiel mir nichts ein und das war es, was mich damals runterzog.

Da habe ich mir einen neuen Tag gebaut. Ich habe in Erfahrung gebracht, wann meine Frau am besten zu erreichen ist bzw. wann sie Zeit zum telefonieren hat. Zu diesen Zeiten habe ich sie dann angerufen. Mal waren diese Telefonate recht kurz, mal waren sie sehr lang, aber das war gar nicht so wichtig. Wichtiger für mich war, daß ich die Leere mit "Terminen" auffüllen konnte, den Telefonaten. So entstand eine neue Situation, mit der ich mich anfreunden konnte.

Ich weiß nicht, ob dir diese Zeilen eine Hilfe sein werden. Aber ich weiß, daß dein Zustand sicherlich nicht 10 Monate anhalten wird.

Und in einer Klapse hast du gar nichts zu suchen.
 
10. August 2008, 05:44   #11
sinadevil
 
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Zitat:
Zitat von Grahid Beitrag anzeigen
Wirklich?




Es wird doch Menschen geben, deren "Weggehen" dir weh tun könnte, dich traurig machen würde oder etwas ähnliches dieser Art.
natürlich wäre auch ich traurig, aber deshalb in die depri fallen, ne du da wäre ich doch schon eher stolz das mein sohn die welt sieht.
 
10. August 2008, 17:49   #12
Ogino
 
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Zitat:
Zitat von sinadevil Beitrag anzeigen
natürlich wäre auch ich traurig, aber deshalb in die depri fallen, ne du da wäre ich doch schon eher stolz das mein sohn die welt sieht.
Mir ist in Erinnerung, dass Du wohl aus einem medizinischem Beruf kommst liebe sinadevil.
Aber auch als Laie wirst Du sicherlich wissen, dass Depressionen eine Krankheit sind, gegen die man machtlos ist. Sie kommen, ohne dass man darauf Einfluss hätte, wie viele andere Krankheiten.
Keine Ahnung, ob es bei mir Depris sind, aber auf jeden Fall fühle ich mich total am Boden, leer und der Situation hilflos ausgeliefert, ohne sie in irgend einer Weise beeinflussen zu können.
Ich empfinde diese Situation momentan sehr viel schlimmer als normale körperliche Schmerzen.
Und natürlich bin ich stolz auf meinen Sohn und gönne ihm diese Erfahrung und Möglichkeit.
Das ist aber auch das einzige, was mich momentan noch aufricvhtet.
 
10. August 2008, 18:12   #13
Irata
Junge mit Mundharmonika
 
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Alr erstes solltest Du klären, wovor Du eigentlich Angst hast. Sind es Katastrophenängste, dass deinem Sohn in der Ferne Dinge passieren könne, bei denen Du nicht unmittelbar zur Hilfe gehen kannst. Oder sind es Kontrollverluste, da Du der Meinung ist, dass dein Sohn mit 16 noch nicht bereit ist, sich für eine Zeit vom Elternhaus losgelöst zu bewähren? Oder ist es eine Form von Egoismus?

Setz Dich hin und bringe deine Gefühle, Ängste, Befürchtungen usw. in schriftliche Form und sortiere sie der Rangfolge nach. Dann schreibe zu jedem Punkt Argumente auf, die diese Punkte widerlegen können. Auf jeden Fall solltest Du forschen, was Dich in deine momentane Stimmungslage versetzt. Das wäre schonmal ein guter Ansatz um zu ergründen, warum Du so fühlst. Binde auch deine Frau ein, aber vermeide es darüber mit deinem Sohn zu reden - jetzt noch nicht.

Empfehlenswerter Ansatz Punkt 4: http://www.familienhandbuch.de/cmain...ng/s_1349.html
 
10. August 2008, 18:45   #14
Ben-99
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... es gibt in Deutschland just zu dieser Zeit, in der wir dieses Thema behandeln, Tausende Mütter und Väter, die auch Abschied von ihren Kindern nehmen mußten. Allerdings für immer, weil sie zum Beispiel Opfer einer tödlichen Krankheit, eines tragischen Unfalls oder eines Gewaltverbrechens geworden sind.

Ich habe selbst keine Kinder, kann mir aber nichts Schlimmeres für Eltern vorstellen, für die ihr Kind normalerweise das Wichtigste in ihrem Leben ist. Hoffentlich liest niemand von denen diesen Thread, denn sie würden nur allzu gern mit Dir tauschen wollen. Weil Dein Kind gesund ist, weil es sich durch den Auslandsaufenthalt einen Wunsch erfüllt hat und weil es schon in einem Jahr wieder wohlbehalten bei Euch sein wird.

Wie Du schon richtig vermutet hast, wird das Problem bei Dir selbst liegen. Ich würde noch mal ein paar Tage abwarten, ob nicht vielleicht alles von selbst wieder ins Lot kommt. Nach den ersten Telefonaten und Briefen wirst Du vielleicht alles viel entspannter sehen. Falls nicht, mußt Du Dir halt professionelle Hilfe suchen und darauf pfeifen, daß in Deutschland Besuche bei einem Psychologen oder Psychiater aus irgendwelchen blöden Gründen noch immer als total "uncool" gelten.

Gruß Ben
 
10. August 2008, 21:27   #15
Marena
 
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Es gibt immer noch etwas schlimmeres als die eigenen Probleme. Das weiß wohl jeder, der einigermaßen vernunftbegabt ist.

Äpfel mit Birnen zu vergleichen hat noch keinem geholfen, der unter einer Situation leidet. In die Rippen stoßen und sagen: Nun reiß dich doch mal zusammen, sind nichts weiter als dumme hilflose Sprüche von Menschen, die offenbar das große Glück haben, relativ stabil und stark zu sein um mit Krisen fertig zu werden.

Der Rat von Irata ist sehr gut, insbesondere auch, dass du deine Frau einbeziehen solltest.....und wenn das nicht hilft, dann nimm professionelle Hilfe in Anspruch...
 
11. August 2008, 05:45   #16
sinadevil
 
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ogino du wirst noch oft im leben vor solchen situationen stehen, wo dein kind wege geht um seine wünsche und ziele zuerreichen.
mit 16. testen sie vieles aus auch wenn eltern es gern anders hätten,
sie werden an ihre grenzen stossen, wo wir glauben das geht so nicht aber man muss es schon akzeptieren um ihre entwicklung zu fördern.
ich hab 3 kinder, jeder ist in seiner art anders und doch ging jeder seinen weg. es gab situationen wo auch ich sagte das geht nie gut, manchmal hatte ich recht und auch unrecht.
wichtig sind doch starke eltern die kinder auffangen können und für sie da sind.
keinem kind nützt es was, sie ständig in watte zu packen. mal ein beispiel, was passiert wenn ein kind völlig unter der kontrolle steht.
wir hatten einen lehrling 22 jahre. die mutter kontrollierte ihn ständig, mit anrufen holte ihn von der arbeit ab dängelte ihn zu hause usw.
das ende vom lied, er schaffte seine probezeit nicht in 3 fächern 5 und flog von der schule. der junge war fix und fertig, in dem fall würde ich sagen irgendwann knallt der junge durch.
und nur weil die mutter nicht begreift, dass er erwachsen ist.
 
11. August 2008, 09:25   #17
Ben-99
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Beiträge: 5.899
@ Marena

... mal daran gedacht, daß vielleicht auch ein Psychiater seinen Patienten daran erinnern könnte, daß Eltern auch auf eine andere fatale und endgültige Art "Abschied" von ihrem Kind nehmen müssen? Würdest Du ihm dann auch den Vorwurf machen, Äpfel und Birnen zu vergleichen?

Jemand durch Vergleiche bei der Einordnung seines Problems zu helfen, was die Relevanz betrifft, kann für manche tröstend sein und wird ganz bestimmt nicht gemacht, um den Betreffenden als übersensibel hinzustellen. Es gibt sicherlich Menschen, denen es hilft, wenn sie daran denken, daß Andere noch mehr leiden. Und mit leeren Floskeln wie "Stell' Dich nicht so an!" hat das überhaupt nichts zu tun.

Gruß Ben
 
13. August 2008, 11:30   #18
Sacki
Dummschwätzer
 
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Ich habe mich vor einigen Tagen auch von einem lieben Freund verabschieden müssen, der beruflich ins Ausland gegangen ist (wurde).
Ich gehe mit dem Begriff "Freund" sehr sorgfältig um, denn einen richtigen Freund hat man wohl nur einen im Leben, wenn man überhaupt dieses Glück hat.
Gute Kumpels, gute Bekannte oder Freundschaften sind in einer völlig anderen Sparte einzuordnen, denn sie sind jederzeit ersetzbar oder werden nach einiger Zeit als abgehakt in die Ecke gestellt.

Bei dem eigenem Kind, das einen vielleicht sogar noch "Freund" zugleich ist, kann ich solche tiefe Trauer, wie sie Ogino offensichtlich derzeit durchmacht, bei einer räumlichen Trennung durchaus nachvollziehen.
Es entsteht ein Vakuum, eine unheimliche seelische Leere, die man anfänglich nur sehr schwer bewältigen kann. Die Betonung liegt auf "anfänglich", denn mit der Zeit -und das ist eine der positiven Eigenschaften der menschlichen Psyche- gewöhnt man sich an alles oder man lernt zwangsläufig, damit umzugehen.
Aber diese Erkenntnisse helfen einem in solchen Momenten nicht weiter, man "trauert"...
Da helfen weder Pillen, noch gut gemeinte Ratschlage.

Am meisten hasse ich die Sprüche, wie "man kann ja telefonieren, sich Emails schreiben oder per Webcam kommunizieren".

Schwachsinn, denn das mag zwar im Moment helfen, ersetzt aber keinesfalls auch nur ansatzweise ein persönliches Gespräch, bei dem man sich in die Augen schaut, oder man sich gar berührt.

10 Monate sind relativ. Liegen sie vor einem, erscheinen sie endlos, sind sie vergangen, erscheinen sie einen wie ein paar Wochen.
Trotzdem ist es ein relativ überschaubarer Zeitraum für Dich.
Mein Freund wird wohl eine unbestimmte Zeit in Los Angeles verbringen müssen, einige Jahre werden es aber mit Sicherheit sein.
 
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